Die Bahn kam Revisit 2021

Der Ringlokschuppen - 2021
RR

Besucht im Jahr 2021

W

as mich vom Besuch bereits von mir zuvor erfasster Orte abhält, das lässt sich teils nur schwer in knappen Worten verpacken; Oftmals haben sich die Orte nicht zu ihrem Vorteil entwickelt – oder ich sehe einfach nicht die Notwendigkeit dazu, einen Ort nochmals aufzusuchen. Anders ging es mir mit diesem Ort, den ich bereits 2014 besucht habe – unter ein wenig anderen Umständen; damals stand der Bereich sperrangelweit offen, kein Zaun und kein mürrischer Blick der mich hätte aufhalten können (immerhin war ich damals auch einige Kilo leichter…).

Heute sieht die Sache ein wenig anders aus: Nachdem man den Ringlokschuppen weitere 6 Jahre der Witterung ausgesetzt hat (und ihn immer noch nicht kleinbekommen konnte), sah man sich wohl gezwungen einen recht prächtigen Zaun drumherum zu errichten. Ob dies mit den bevorstehenden Bautätigkeiten zu hat, in deren Verlauf der Rest des Lokschuppens ein Happy End als Bestandteil einer neuen Gentrifizierungsbrache finden soll, oder ob man einfach die aktuell niedrigen Zinsen mit der Notwendigkeit einer Gebäudesicherung kombinierte – in jedem Fall nahm man Geld in die Hand und subventionierte einen Zaunproduzenten. Dass man hier aber erneut genau so agierte, wie in all den Jahren zuvor, bewiesen die gut erkennbaren “UrbexAutobahnen”, welche zu den Löchern im Zaun führten, oder anders gesagt: Zu den “unbezäunten” Abschnitten, wo man dann doch an den Elementen sparen wollte.

Ein flotter Rundgang offenbarte mir keine größeren Neuigkeiten; alles wie immer, nur etwas dreckiger, verfallener, besprühter. In den ehemaligen Werkstätten hatte anscheinend jemand der Pyromanie gefrönt, während ein gebrauchtes Verhütungsmittelchen zwischen Brocken von abgeplatztem Putz, an anderer Stelle, sein Nestlein hatte. “Wieso findet man mittlerweile so häufig gebrauchte Pariser in verlassenen Objekten?” – Ein Gedanke, der mich kurzzeitig beschäftigte und an die Robustheit mancher Libido ermahnte; Wer es hier schafft, der macht es überall (hier die Melodie von Sinatra – New York hinzudenken). Als ein Rudel Adoleszenter herangröhlte (welches sich aus 3 Jungs und 5 Mädels zusammensetzte, was in der Regel immer zu Schwachsinnsaktionen der Männchen führt um die Weibchen zu beeindrucken), die ersten Fenster zerbrachen und ein Stein durch die Rundhalle flog, entschied ich mich einzupacken und den Ort der neueren Zeit zu überlassen.

Am Ende bleibt es aber wie immer, wenn es um heimatliche Industriespuren geht: Alte Zeiten, alte Gebäude und wenig Ehrfurcht vor der gesamten Materie. Vielleicht kommt ja da demnächst das Allheilmittel gegen den Niedergang des Einzelhandels, ein sog. “Pop-Up Store”, hier hinein, wo sich dann Frappuccino und Selbstfindung die Hand geben, man sein Handy umsonst laden darf und 5 Stunden lang, auf einen bestellten Kaffee, Plätze belegt werden – weil das W-Lan hier so schön schnell (und umsonst) ist.

Weiterer Stoff

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