Sunshine Factory

Alte Ziegelei / Sunshine Factory
RR

Besucht im Jahr 2020

E

ine kleine Ewigkeit schon, hatte ich dieses Objekt auf meiner Liste, unbesucht und unbedacht von mir. Selten kommt soetwas nicht vor, dass man irgendwie immer um bestimmte Orte herum navigiert; mal sind sie zu weit abgelegen, mal zu nah, mal vielleicht einfach zu heruntergekommen. Es sind die Objekte der zweiten Liga, könnte man boshaft sagen – Orte, die schon zu lange, zu vielen Menschen bekannt sind und bereits so arg der Zerstörungswut der geistig Umnachteten anheim gefallen sind, dass man sich das Elend fast schon ersparen möchte.

Macht halt dann doch schon einen gewissen Unterschied für die empfindliche Entdeckerseele, ob der Ort von der Natur, oder vom lokalen Kevin niedergerissen wurde. Auch der Unterschied zwischen natürlichem Bewuchs und einem Penis-Graffiti (einem der beliebtesten Motive überhaupt), sanft in neon-gelb an die fotogenste Stelle gesprüht, kann entscheidend für die Benutzung der Kamera sein.

Hier war es hart an der Grenze für mich, da der Ort zwar von natürlichem Verfall geprägt war, jedoch ausreichend Spuren menschlicher Verblödung vorhanden schienen, so dass es sich beinahe nicht mehr lohnte ihn einzufangen. Bewahrheitet hatte sich hier jedoch wieder meine Erkenntnis: Es ist nicht immer der Ort, sondern oft auch einfach nur das “draußen sein” – der leichte Hauch eines Roadtrips, der einen Ausflug “schön” macht.

Another brick in the wall

Zwar wusste ich schon zuvor was hier zuvor produziert wurde, doch suchte ich neugierig nach Spuren der einstigen Ziegelproduktion vor Ort. Es war dann doch etwas anderes, wenn man vor Ort die Spuren des Geschehenen sehen konnte, als nur von ihnen zu hören und zu lesen. Neben der reinen Neugierde, schärft diese Beschäftigung auch ein wenig die Fähigkeit einen Ort zu lesen; irgendwann weiß man über solche Werke genug, um auch fehlende Objekte oder Nebengebäude erkennen zu können.

So denkt man bei Dampfmaschinen direkt an die notwendige Wasserversorgung, somit also an Brunnen, Pumpen oder Wasserläufe. Es ergänzt sich alles, Stück für Stück und mit wachsender Erfahrung und Wissen. Außerdem merkt man, dass die Bündel von Rockwool-Resten, welche sich geschickt verteilt vorfinden lassen, nicht vom Objekt selbst, sondern von einem Häuslesanierer stammen dürften. Da wollte augenscheinlich jemand ein paar Euro Entsorgungskosten sparen, indem er sie jemand anderem aufdrückt. So viel zum Thema Respekt.

Sonst noch was? Eigentlich nicht, außer dass ich vom Besuch vor Ort eigentlich nur abraten könnten – aus Sicherheitsgründen: Die Dachbalken der Einzelgebäude, die bis auf Kopfhöhe und darunter herunterhingen, sorgten für ein Magengrumeln, vorallem weil sie fast freischwebend mehr als einmal auf mich und meine zarten Organe zeigten und sich nur nur wegen eines unbeugsamen Nagels nicht in sie Bohren konnten. Ein falscher Huster, Windstoß, oder gewalttätiger Schmetterling könnte so einen Balken auf die Reise schicken. Unangenehm.

Steht halt auch nicht ohne Grund “Betreten verboten” auf den Schildern – sollte man sich auch dran halten.

Weiterer Stoff

Maison Gustaaf

Manchmal tut eine Pause gut, etwas Abstand noch viel besser. Manchmal.

Es war die erste Urbex-Tour seit Monaten, auf die mich mein Kumpel Manolo zerrte. Ich hatte mir eine Auszeit genommen, eine lange Auszeit. Keine Fotografie, keinen Stress, keine Besonderheiten. Eins sein mit der bedrückenden Langeweile einer ninetofive Existenz, die 2 1/2 Kinder, einen Urlaub pro Jahr, die Rente und dann ein Martyrium aus langwierigen Krankenhausbesuchen bedeutete. „Sich erden“ – oder einfach einmal das kleine Rädchen im Getriebe sein und sich drehen.

Cemetery of the Insane

Zeit. Zeit ist kostbar, sehr kostbar. Diesen Faktor kalkuliert man die ersten 2-3 Jahrzehnte seines Lebens nie so wirklich ein, während man durch die Erziehung, die Schule, die Ausbildung und noch andere Dinge gepresst wird, um am Ende als “Erwachsener” in die Gesellschaft entlassen zu werden.

Usine S

Die historische Entwicklung des Maschinenbaus im Rheinland, die seit 1870 in Aachen mit der Gründung der RWTH gipfelte, ist untrennbar mit der Montanindustrie, wie aber auch mit der Tuchindustrie verbunden; der eine Wirtschaftszweig benötigte Lösungen für die Wasser- und Wetterkunst, der andere Automatisierung, um der Nachfrage und dem Preiskampf standhalten zu können.

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