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Besucht im Jahr 2017

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tahlwerke, Kokereien, riesige Industrieanlagen jeder Art und Couleur haben etwas erschlagendes, überwältigendes, wie ich finde. Sie ragen aus den Landschaften hervor wie finstere Wehrburgen, Festungen. Türme, welche den Horizont durchbrechen und nie etwas gutes in die Luft entlassen, aber dennoch: Sie überragen fast alles und prägen. Städte, Menschen, Kulturen. Sie prägen.

Oder besser gesagt: Sie prägten.

Wir, hier im Herzen Europas, haben die Phase hinter uns gelassen, die nun in anderen Ecken der Welt ihre Blüte findet. Wir haben unsere Schwerindustrie so gut wie erledigt, aus unseren reinen Landstrichen verbannt. Keiner will mehr Kohlenstaub auf der rausgehängten Wäsche, keiner will mehr dreckige Finger von der Arbeit haben. Aus dreckigen Gassen, dicht befüllt mit dunkel geklinkerten Häusern, wurden gentrifizierte „Höfe“ (oder wie man Mietbunker mit höherer Ausstattung nun auch immer nennen mag), Investitionsobjekte und Lofts, für Leute mit zu viel Geld, einer Glutenunverträglichkeit und einem E-Bike.

Was übrigbleibt sind ein, zwei Werke, eingepfercht und nur noch ungerne gesehen von allen anderen – doch von ihren Arbeitern bis heute gemocht. Wer Stahlarbeiter kennt, oder in der Familie hatte, der weiß wie Menschen aussehen die in der Regel doch gerne ihrer Arbeit nachgingen, die auch mal mehr gaben als erwartet wurde.

Die Work-Life Balance meines Großvaters bestand aus seinem Garten, selbstgebautem Werkzeug von der Arbeit und ab und an einem Bier in der Wirtschaft. Burn-Out kannte man nicht, höchstens wenn im Garten der Grünschnitt verbrannt wurde, dass man mit dem Rauch Signale bis zur Nachbarstadt hätte geben können. Vielleicht hätten wir nur ein wenig von dem Dreck behalten sollen. Hier, im Herzen Europas.

Es bleiben Erinnerungen, Romantisierungen und Skelette in der Landschaft von stillgelegten Arealen, Schornsteinen und Hochöfen. Saurier, die rostend auf ihre Demontage, oder Vorführung als Kulturlandschaft warten.

 

Dieser Beitrag ist Bestandteil einer Serie über die Stahlwerke in der Region Aachen-Lüttich. Weitere Teile werden folgen und miteinander verknüpft werden.

Weiterer Stoff

Masters of Dust

Industrie – mein heimlicher Fetisch. Rostiger Stahl, gigantische Hallen, oder auch kleine Werkstätten. Ein Geruch, der sich aus Öl, Fett und Metall vermengt, aus Holz, welches schwarz vor Dreck wurde. Industrie, wo körperliche Arbeit als ehrend, nicht beschämend verstanden wird. Dort, wo die stetige Atmosphäre des Schaffens herrscht und jederzeit etwas in Bewegung geraten könnte. Heilige Stätten des Fortschritts, Kathedralen der Arbeit.

Muskatnuss, Herr Müller!

Aachen, 06:00 Uhr – es regnet, was für Aachen mehr als nur typisch ist, ja gerade zu „Charaktergebend“ wirkt auf diese Stadt; der Aachener ist für gewöhnlicher eher ein mürrischer (wohlwollend formuliert), auch ein eher zurückhaltender Typ, der so gar nichts mit dem so oft gepriesenen Kölner zu tun hat.

Cheratte Hasard

Wie ein unwirklicher Riese, so blickt der Turm über dieses Tal der Maas – mit seinem Rücken fest an den Berg gepresst, welcher ihn erst erforderlich machte. Wie eine Figur aus einem Mythos, einer Gestalt aus der nordischen Saga.

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