Schiefersteinbruch „Gänseteich“

Schiefersteinbruch Gänseteich
RR

Besucht im Jahr 2019

J

a, bei der Namenswahl scheine ich mich dieses Mal wirklich übertroffen zu haben, so dass mir die Kreativität gerade zu aus den Fingern schießt. Könnte auch an den nervigen Kopfschmerzen, dem fortschreitenden Alter oder der Neugewöhnung an das Thema „Urbex“ liegen – früher war ich in jedem Fall kreativer, wenn es um die Schaffung von Tarnnamen ging.

Ich hatte eben eine etwas längere Pause vom Thema, die zum Teil freiwillig (ein gewisser Überdruss), zum Teil aber auch leider fremdbestimmt stattfand. Es reicht schon aus, wenn man niemanden mehr als Co-Piloten neben sich hat, wenn man durch rostige, verlassene und selten besuchte Stahlwerke schlendert, die voller verdeckter Löcher, spitzer Stahlreste und instabiler Elemente stecken. Diese Art von Überraschungen, die einem dort erwarten, brauche ich persönlich dann eher nicht. Goldene Regel: Niemals, niemals alleine unterwegs sein.

Um so freudiger war das Erlebnis, dass man die alte Gruppe wieder ein wenig zusammentrommeln konnte und man tatsächlich auch einen Ort zur Hand hatte, der für Rentner und Menschen ab 30 geeignet war und (trotz seiner Verwüstungen) doch durchaus noch einiges für die eingerosteten Augen im Angebot hatte:

Ein bisschen an Fakten…

Der Steinbruch selbst, für den es wohl, seit seiner Gründung, keine Abbau- und Betriebserlaubnis gab, steht seit den später 2000er Jahren leer und ist Thema umfangreicher Rechtsstreitigkeiten, die bis in die heutige Zeit andauern. Fraglich ist nicht nur die Eigentümerschaft, sondern auch der weitere Verbleib und die Übernahme der Kosten von vorhergegangenen Sicherungsmaßnahmen des Geländes. So ist der Steinbruch selbst mittlerweile vollgelaufen mit Regenwasser, was ein ruhendes Gewässer mit einer vemuteten Tiefe von 25m erzeugte, mit einer Gesamtfläche von 5.042m² (Google Maps Angabe). Diese Werte sind deswegen interessant, weil der See somit ein geschätztes Fassungsvermögen von 126.050 m³ aufweist (anders gesagt: 126.050.000 Liter – Angabe in Fußballfeldern wird aus Prinzip nicht gemacht), was in den letzten Jahren immer mal wieder für Bedenken bei den Anwohnern und Einsätzen der lokalen Feuerwehr gesorgt hat (der Steinbruch befindet sich erhöht, so dass einige der Ortsbewohner im schlimmsten Fall einen Neubau einplanen könnten).

Derzeit befindet sich auf dem Gelände auch eine installierte Abpumpleitung, die anscheinend in regelmäßigen Abständen genutzt wird, um den Spiegel für einige Meter und kommende Regenfälle zu senken. Dass abgepumpt werden muss, hängt nicht nur mit den (im Tal, unter dem Steinbruch liegenden) Häusern der Anwohner zusammen, sondern auch mit den Betriebsstoffen des ehemaligen Bergwerks, die sich immer noch zu großen Teilen schwarzdeponiert im Boden der ehemaligen Betriebshäuser aufhalten dürften, die direkt am Rand des nun entstandenen Sees liegen.

Jene Häuser sind auch ein Anziehungspunkt der Jugend geworden, die eifrig Reste von Lagerfeuern und Bierflaschen produzieren, während sie aber auch zugleich etwas vor Ort schaffen, was sich vielleicht später einmal als erhaltungswürdig herausstellen könnte: In einer Ortschaft, die sonst nur von Senioren an Wochenenden geflutet wird, somit also von Fachwerkhäusern, gutbürgerlichen Restaurants und dem Charme der 50er lebt, produzieren Jugendliche der näheren Umgebung teils sehenswerte Graffitis. Besonders interessant fand ich persönlich, dass neben manchen, etwas amateurhaft wirkenden, Graffitis kleine Anmerkungen gesprüht wurden. Diese Form der Kunstkritik habe ich zwar so noch nicht bisher gesehen, doch kann ich dem nur positives abgewinnen.

Auch wenn die Mehrzahl der Kunstwerke aus Penes besteht (ja, Plural von Penis), so dürfte dieser Umstand eher der Pubertät und dem einschießenden Testosteron geschuldet sein und der späteren Verfeinerung der Talente nicht im Wege stehen. Abwarten, Tee trinken, die Kinder weiter Pimmel malen lassen. Hauptsache sie nehmen keine Drogen und wählen später nicht die AfD.

 

Der Name stammt übrigens von einem Geschwader Wildgänse, die sich auf dem See ausbreiteten, als ich gerade im Menü meiner Kamera gefangen war.

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