Bleichfix

Bleichfix / Fabrik der tausend Fenster
RR

Besucht im Jahr 2021

D

er Himmel war verhangen, von schweren Wolken und dunklen Gedanken. Für meine Fotografie, so ging es mir durch den Kopf, bräuchte ich dieses Schwere, diese Beladung mit Dunkelheit – fernab von Leichtigkeit. Der Kopf musste Tonnen wiegen, die Wolken keine scharfen Kontraste erlauben.

Wir schritten einige Male um den Ort, der sich mitten in einem Wohnviertel befand, dessen beste Zeiten wohl erst nur einige Jahre hinter sich lagen – im Grunde vereinte sich hier die perfekte Mischung aus Niedergang und heimeliger Mittelschichtsromantik, mit versprengten Anteilen von sozialem Abstieg.

Es war kaum bemerkbar für den Unbedachten, wenn man nicht danach suchte und auch suchen wollte: Da mal ein einzelner Einkaufswagen mitten in der Abstinenz eines Geschäfts, hier mal ein rostiges Auto bei dem der frische TÜV aus dem heimischen Drucker gekommen zu sein schien, oder von Euros beflügelt offiziell über die Theke schwebte und auch das typische Polstermöbel im Außenbereich, wild grasend, sollte nicht fehlen.

Sicherlich waren es nur kleine Anzeichen, aber es war auch eine stille Ankündigung, ein Statement darüber, dass es einem scheissegal geworden ist wo man seinen Sperrmüll, oder Einkauf, ablädt – und es einem auch egal geworden ist, dass man die Nachbarschaft in ein modernes Kunstwerk verwandelt.

Typisch für die Randbezirke einer Großstadt, um die sich ein OB gar nicht kümmerte und deren Bürgermeister nur darauf hofften die Leiter ein wenig höher steigen zu können in den nächsten Jahren.

Die ruinösen Außenwände der Anlage komplettierten nur die zarten Andeutungen des Verfalls, gaben ihr die Schlussnote und die Tatsache, dass der Abriss dieses Geländes aufgrund des Denkmalschutzes gestoppt wurde, besiegelte das Schicksal des Ensembles auf Dauer.

Mit Sicherheit wird auch hier sich wiederholen, was woanders schon so oft geschah: Man wartet, ausdauernd und beharrlich, voller Untätigkeit und freudiger Erwartung auf das baldige “Notmaßnahmenpaket”, welches den Abriss dann am Ende doch ermöglichen wird. Da mutiert der Amtsschimmel zum Baulandgeier, bis dass das Bodengutachten am Ende dann doch noch einen Strich durch die Rechnung machen wird. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Es gibt viele Gutachter. 

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