Prison 11

Prison 11
RR

Besucht im Jahr 2014

I

ch arbeite mich vor, wusele mich durch meine alten Serien. Manche bearbeite ich noch einmal, mit dem Kenntnisstand von heute und manche gehen einfach so durch, weil sie entweder gut genug sind oder ich einfach das faule Stück sein möchte, für das ich mich hin und wieder selber halte.

Doch trotz ellenlangen Liste von noch zu erledigenden Dingen, die alle meiner Aufmerksamkeit bedürfen (und sie wird jeeeeden Tag noch länger), ackere ich mich durch und so bin ich bei diesem Goldstück angelangt, welches (so nenne ich die Phase für mich) aus „der goldenen Urbex Zeit“ stammt.

Ich bezeichne dabei für mich einen Bereich von 2011 bis 2016/17, in welchem jeden Tag neue Locations auftauchten, wo von eine spannender war als die vorherige, interessanter und mit immer mehr hanebüchenen Geschichten aufgepeppt wurde, weil zugleich auch immer mehr Quastenflosser meinten „urbexen“ zu müssen.

So zeugt der „Szene Name“ „Prison 11“ von der akuten Abwesenheit von Geist, Kreativität, oder dem Willen länger als zwei Sekunden über einen Namen nachdenken zu müssen, dem die damaligen „Entdecker“ erlegen waren.

Eine alte Kasernenanlage, immer mal wieder modernisiert, erweitert und – ganz typisch für Belgien – ohne Rücksicht auf Stimmigkeit (dafür aber auf die Kosten) mit allen architektonischen Epochen zugekleistert, die dieser so interessante Staat erlebt hat. So klebt die geschmackvolle Abhängung aus feinstem Sperrholz nur unweit von einem Raum, in dem sich sicherlich auch der Kaiser nicht allzu unwohl gefühlt haben würde – sofern man mal durchgewischt und die Tapeten wieder angeklebt hätte. Woher also der Titel „Prison“? Nun: Es gibt in der Örtlichkeit tatsächlich einige (sehr spartanische und ihrer Anzahl äußerst begrenzte) Zellen. Tata, sie haben den Ursprung der Namengebung entdeckt. Kaserne Variocolor war sicherlich zu anspruchsvoll, oder hätte dem „Denker“ zu viel Abstraktionskraft abverlangt.

Welchen Sinn die erstaunliche Farbvariation mancher Räume so hatte… ich mag es mir nur durch den Wunsch nach Abwechslung erklären wollen, der im tristen Militäralltag sicher ungeahntes Wachstum erlebt hat.

Genug aufgeregt… die goldenen Zeiten sind leider vorbei, zumindest in Belgien. Man entdeckt nicht mehr so einfach, so schnell. Viele Örtlichkeiten sind mittlerweile renoviert, niedergerissen oder bis zur absoluten Unkenntlichkeit verwüstet.

Die Suche ist nicht einfacher geworden, absolut nicht.

Weiterer Stoff

Église Saint-Georges de Limbourg

Das vielleicht aufkommende Bild Belgiens, welches durchaus entstehen kann bei der Betrachtung der bisherigen Fotoreportagen meinerseits, ist leider keines, welches man als “Charmant” betiteln könnte.

HF 6 – Aussenstelle

Ich atme tief ein. Staubige Luft strömt hastig durch die Nase, durchquert meine Atemwege – vorbei an der kaputten Nebenhöhle, an zerklüfteten Mandeln entlang, hinunter zu einer schwarzen Lunge, wie man sie nur dann hat wenn man in einer Großstadt lebt.

Chateau Noisy

Anachronismus. Auch heute noch, 2019, als ich diesen Text schreibe, komme ich mir wie einer vor. Der Verdacht, irgendwie an der falschen Stelle gelandet zu sein, nagt noch immer an mir, aber bei weitem nicht mehr so theatralisch gefärbt wie mein originaler Text zur Tour, den ich mit einem leichten Schaudern der ENTF Taste übergeben habe.

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