Heavy Metal

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RR

Besucht im Jahr 2020

V

iele Jahre stand dieser Ort auf meiner Wunschliste; sehnsuchtsvoll blickte ich immer auf ihn herab, wenn ich mich wieder einmal auf das Abenteuer Belgien einließ. Es waren jedoch nur Blicke aus der Ferne, die auf rostiges Blech stießen und nie befriedigend genug waren. Kannte ich den Ort nur von Berichten anderer Menschen, wusste nur vage von möglichen Eingängen, so war ich bis dato nie erfolgreich bei meinen Begehungsversuchen. Vier Versuche hatte ich bereits hinter mir, wo von mich einer in eine Art Kies- / Sandgrube geführt hatte (da fliegen irgendwo noch analoge Bilder umher), aber nicht ins Werk selbst hinein. Abschreiben wollte ich dieses kleine Juwel aber nie, gab es doch immer wieder mal frische Fotos aus dem Inneren.

Stunden lief ich schon die Zäune des weitläufigen Geländes entlang, während derer ich die Natodrahtrollen bewunderte; eine oben am Zaun, eine unten und in zweiter Reihe dahinter manchmal noch eine Rolle. Wie ein Hochsicherheitstrakt, so abgesichert schien das Areal. Frische Reifenspuren kamen noch hinzu, die man durch den Zaun hinweg auf den Werksstraßen erkennen konnte. Schwer bewacht also, aber augenscheinlich nicht unmöglich. Wo lag mein Fehler also, wenn ich noch nicht einmal einen Eingang finden konnte? Hatte meine Spürnase Betriebsferien genommen, die mich bisher immer souverän zu Eingängen geführt hatte?

Nirgendwo schien es ein hineinkommen zu geben, so dass ich über die Jahre bereits mehrere, frustrane Besuche hinter mich gebracht hatte. Gibt es keinen Eingang, mache ich sicherlich auch keinen. Eine eiserne Regel.

Dann, als wir nach langer Zeit mal wieder gemeinsam unterwegs waren, starteten wir aus reiner Verzweiflung einen erneuten Anlauf. Wirkliche Hoffnung auf Erfolg hatte ich keine als wir losfuhren, so dass ich mir im Geiste schon Pläne für naheliegende Ausweichziele machte. Sicher ist sicher.

Der Eingang…

Angekommen vor Ort, wuselten wir ganz auffällig – unauffällig durch die Bereiche der Wohnsiedlung, welche das Werk umschloss; Eigentlich ein absoluter Amateurfehler den wir da begingen, denn immerhin hängt viel des erhofften Erfolgs einer Erkundung vom raschen und ungesehenen Betreten des Objekts ab. Je eher man im Objekt drin ist und je mehr man so tut als wäre das absolut normal und korrekt, was man da gerade macht, desto geringer ist die Gefahr aufzufliegen.

Und dennoch: Wir kamen hinein, auch wenn man uns die “Eingerostetheit” durchaus anmerken konnte, die sich in der mehrmonatigen Urbexabstinenz ausgebildet hatte. Wie alles, braucht auch dies ein gewisses “Training” – so bescheuert es auch klingen mag.

Dass dieser Ort dann auch noch nicht ganz ohne war, das machte die Sache nicht unbedingt galanter für uns; doppelt verlegter Natodraht, nur behelfsmäßig von Vorbesuchern plattgedrückt und mit einer Fußmatte “gesichert”, stellte sich direkt am Eingang als Hindernis dar, während der Dornenbusch darüber, daneben und darunter noch gerade zu harmlos wirkte und zum Liebkosen einlud. Direkt dahinter, nun bereits auf dem Gelände des Werkes, starrten wir unverhofft in mehrere Linsen eines kamerabewehrten Turmes. Abdrehen und Abbruch, oder Risiko und Wahnsinn? Waren die Kameras noch aktiv? Wenn ja, wie viele Minuten hätten wir, um uns auf dem Gelände zu verstecken?

Geordnet gingen wir vorwärts, bereit dazu gegebenenfalls vom Wachschutz erwischt zu werden – und rückblickend betrachtet, war die Gefahr mehr als nur akut da wir über eine frei einsehbare Werksstraße mussten (plus frischer Fahrspuren), im Anschluss über eine Freifläche von ca. 200-300m und danach über asphaltierte Flächen vor den Werkshallen, während von dort noch mehrere Kameras auf uns gerichtet waren. So viel Glück konnte selbst der Blödeste eigentlich nicht haben, so dass ich mich stets umsah und jeden Moment mit einem “Bonjouuuur” rechnete.

In den heiligen Hallen…

Nach einigen kurzen Suchaktionen, fanden wir dann, ohne spontane Adrenalinausbrüche und explosive Stuhlinkontinenz (ausgelöst durch plötzlich auftauchende Sicherheitsmänner), einen Eingang in die erste Werkshalle und ich fühlte mich… wie ein Vollidiot der besten Sorte. Ausnahmsweise lag es nicht an meiner inneren Grundhaltung, sondern tatsächlich an greifbaren Fakten: Ich hatte mein Stativ, in Erwartung des Scheiterns, daheim gelassen und war nun darauf angewiesen dass meine Fuji bei ISO 12800 keine Hühnersuppe produzieren würde. Mangels Alternativen, stellte ich die ISO hoch, den Verschluss auf elektronisch, presste die Arme an den Körper, gab der Kamera und mir 2 Sekunden über den Selbstauslöser um zu uns finden zu können und fotografierte, soweit es mein Tremor zuließ. Es funktionierte, wenn auch nicht immer auf den ersten Anhieb, aber es funktionierte.

Die Ergebnisse kann der geneigte Leser dann unten bewundern – die Tatsache, dass der Sicherheitsdienst uns beim Verlassen des Areals dann beinahe doch noch erwischt hätte, verschweige ich dann lieber einmal…

Weiterer Stoff

Agnus Dei

Wenn man Urlaub hat, dann hat man Zeit und Energie, Motivation und schöpft zudem neue Kraft. Man kümmert sich um alte, liegen gebliebene Sachen…

Atelier Mosaique

Ein Anblick, so typisch wie auch gewohnt; zerbrochene Fenster, eingestürzte Mauern und das Moos, welches sich immer nach kurzer Zeit als letzter, wie auch neuer Bewohner ansiedelt

Factory C.

Urbex – das kleine Abenteuer der Neuzeit. Was könnte man sonst schreiben? Ich lasse heute einfach mal die Bilder sprechen. Insgesamt habe ich den Ort bei 3 Möglichkeiten besucht, bei denen sich leider, zwischen meinen Besuchen, immer mehr und mehr Irre darum bemühten den Ort zu verwüsten.

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