Abandoned Wheels

Abandoned Wheels / Biofuel Farm
RR

Besucht im Jahr 2016

W

ir leben in einer verrückten Ära, in einer wilden vorallem; während wir es ausgenscheinlich hinbekommen haben die Biosphäre in der Form zu ficken, dass sie uns in absehbarer Zeit zurückficken wird, scheint ein unstillbarer Hunger nach “Blödheit” entbrannt zu sein, der sich nicht in fehlerhafter Grammatik äußert, sondern in der Ablehnung von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die USA, das Land der kulturellen Vermengung und technologischen Führerschaft, haben den größten Vollidioten zum Präsidenten gewählt den es in ihrem riesigen Land zu finden gab, während in Europa die Rechtskonservativen einen Aufschwung erleben, wie man ihn vor Jahren kaum hätte erahnen können.

Woanders impfen “Mütter” ihre Kinder nicht, weil da ja Giftstoffe in der Impfung sind, während wieder andere Evolutionsbremsen an Morgellons, Chemtrails und die Befreiung der Welt durch Trump glauben. Mittendrin, in diesem sich ausbreitetenden Sumpf voller Schwachsinn, stecke ich: Ein kleiner Mensch, der gerne fotografiert, seine Ruhe schätzt und sich fragt, woher der ganze Irrsinn stammt. Nie hätte ich einmal gedacht, dass ich so verbittert in diese Zukunft schauen werde, die sich vor mir ausbreitet. Nie.

Wann sind wir so arg falsch abgebogen, dass sich Menschen Heilsteine von Gwyneth Paltrow in ihre Geschlechtsöffnungen schieben und wirklich an diesen Schmuh glauben? Ab wann mutierte Esoterik von schrullig zu gefährlich? Blicke ich in Facebook und Co., kommt mir nicht selten mein Frühstück wieder hoch; Hass, Ego, Narzissmus. Je selbstbewusster eine Dummheit verteidigt wird, um so eher wird sie akzeptiert. Es geht nicht um Inhalt – es geht um die Hartnäckigkeit, mit welcher etwas behauptet und erlogen wird. Das imponiert, das beeindruckt. Das ist so schmerzend dümmlich.

Und dann sind da die Menschen… Menschen, die ich eigentlich mag, seit Jahren kenne… eigentlich gute Menschen… die ihren Hass verbreiten und Dinge “teilen”, die schon, ohne genauere Betrachtung, aus der Distanz als Lüge auszumachen sind. Alleine das Wort “teilen” ist in diesem Kontext ein Euphemismus: Hier teilt keiner etwas, hier wirft einer wild seine Scheisse durch den Raum, um jeden damit einzukleistern. Wie geht man damit um? Wird man hysterisch, empört sich in kreischendsten Tönen – wie es heute so üblich ist? Oder sucht man den Diskurs? Versucht man aufzuklären? Wo findet man den passenden Weg damit umzugehen, ohne eigentlich geschätzte Menschen zu verlieren? Ohne sich selbst dabei zu verlieren und zum Opportunisten zu verkümmern?

Eine Lösung habe ich nicht – nur Weltschmerz. Immer öfter ziehe ich mich zurück, kapsel mich weg mit meiner Frau. Wir genießen unsere kleine Welt, mit Katzen und uns – abgeschottet so lange es geht vor dem Irrsinn, der dort draußen immer weiter anschwillt.

Manchmal öffne ich auch meine “Archive”, durchforste meine Bilder und schaue mir eingefangene Erinnerungen an. Momente mit anderen Menschen, die ich mag, die mich nicht in einen Zwiespalt drängen und die sich treu bleiben. Menschen, die keine Verschwörungstheorien brauchen. Wir sterben aus – vielleicht fotografiert ja irgendwann mal einer unsere Hinterlassenschaften, wie ich diese rostigen Karren fotografiert habe…

Was dieser Text nun mit dem Bildern zu schaffen hat? Gar nichts. Mir war nach Luft. Ausnahmsweise.

Weiterer Stoff

Theatre Jeusette

Irgendwie fehl am Platze, so wirkte dieser Ort damals, 2012, auf mich. Mitten in einer Region, die man nur sehr, sehr wohlwollend als verloren und vergessen bezeichnen konnte (die Realität war, zu diesem Zeitpunkt, eher “Vorhölle”), stand dieses „Theater“.

Atelier Mosaique

Ein Anblick, so typisch wie auch gewohnt; zerbrochene Fenster, eingestürzte Mauern und das Moos, welches sich immer nach kurzer Zeit als letzter, wie auch neuer Bewohner ansiedelt

Maison Gustaaf

Manchmal tut eine Pause gut, etwas Abstand noch viel besser. Manchmal.

Es war die erste Urbex-Tour seit Monaten, auf die mich mein Kumpel Manolo zerrte. Ich hatte mir eine Auszeit genommen, eine lange Auszeit. Keine Fotografie, keinen Stress, keine Besonderheiten. Eins sein mit der bedrückenden Langeweile einer ninetofive Existenz, die 2 1/2 Kinder, einen Urlaub pro Jahr, die Rente und dann ein Martyrium aus langwierigen Krankenhausbesuchen bedeutete. „Sich erden“ – oder einfach einmal das kleine Rädchen im Getriebe sein und sich drehen.

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