Hilfsbereitschaft

Ein kleiner Gedanke zum Thema Hilfsbereitschaft

Wir allen lieben sie, wir alle geben sie auch gerne: Die Hilfsbereitschaft. Steckt der Kumpel betrunken bei seiner abendlichen, frischen Bekanntschaft, die mit abnehmendem Alkoholpegel immer inkompatibler für ihn und seine Lebensplanung / sexuelle Ausrichtung erscheint? Ein Anruf und wir holen ihn.

Die beste Freundin hat ein Problem in der Form eines Pickels, der mittlerweile Wahlrecht und Sozialversicherungsnummer besitzt? Wir fahren natürlich los und kaufen ein Basecap / ein Balaclava, bis die ISS nicht mehr aus dem Weltall davon berichtet.

Der Nachbar, der sonst Gerüche im Treppenhaus zu vernehmen glaubt, die sonst nicht einmal ein ausgebildeter Spürhund wahrnehmen würde und euch deswegen immer anonym beim Hausverwalter anscheisst, hat sich ausgesperrt und klingelt bei euch, damit er, in Unterhose und Häschenpantoffeln bekleidet, kurz euer Telefon nutzen kann, um den Schlüsseldienst zu rufen. Da hilft man doch natürlich gerne, oder? Auch wenn ich wahrscheinlich eher meine Telefone in die Toilette stopfen würde…

Egal.

Wir helfen gerne, doch, wie beim Nachbarn im Schlüppi, hat Hilfe auch eine gewisse Grenze, in der sie sich wandelt: Wenn man sich als Hilfsbedürftiger gibt und dabei aber einfach nur schamlos seinen Vorteil rausschlagen möchte. Sozusagen als Putzerfisch am Hai, der sich über die Reisegeschwindigkeit und die schlechten Cocktails beschwert, während er nur festgesaugt in der Nähe der Schwanzflosse umsonst transportiert wird und das frisst, was der Dicke übriglässt.

Faberface

Sascha Faber
Alter: 34 (Stand 2019)
Hobbyfotograf und Teilzeitkünstler

Dieses Phänomen ist besonders ausgeprägt im Bereich der Fotografie, wo Ehrgeiz und Missgunst vorherrschen und Ergebnisse sofort kommen müssen – ohne den Umweg des lästigen Lernens und der Selbstentwicklung. So kommen nicht selten die schönsten Stilblüten ins Postfach und wer, der etwas länger aktiv ist und vielleicht auch mal etwas sehenswertes zeigt, kennt sie nicht, die alltäglichen Fragen:

„wie hast du das gemacht? Kannst du mir das Preset zeigen?“

„Exifs?“

„wo ist das?“

„Ich hab‘ ein Problem: Nachts ist kälter als draußen, will aber nicht mehr schreiben zum Problem, oder googlen, da ich zu faul bin und mir erstmal alles aus der Nase ziehen müsst“

Göttlich. Einfach göttlich. Insbesondere die Anfragen nach Orten, die man zumeist schon in die Bildbeschreibung reingepackt hat, stellt einen nie versiegenden Quell von Freude dar und erheitert, wenn die Anfrage vor allem von Leuten kommt, die sonst nie etwas mit einem zu tun haben wollten.

Ein Fisch im Mohnfeld…

Da fliegen dann spontan so Sätze wie „Hey Sascha, hoffe es geht dir gut? Wollte mal nach dem Mohnfeld fragen…“. Das war dann der erste Kontakt nach 2 Jahren. Dazwischen und davor lagen „einmal wortlos und panisch vor mir im Kaufland flüchten, als ich grüßte“, keinerlei Kontakt und ansonsten betroffenes Schweigen – nicht zu vergessen: Über Dritte anfragen, ob ich ein Zeichenbrett verkaufen würde. Zur Info: So Scheisse bin ich laut vieler, unabhängiger Gutachter eigentlich nicht :/ aber vielleicht konnte man mich nicht „gebrauchen“, für das persönliche Weiterkommen?

Zurück zur Anfrage: Eine Recherche von 2 Sekunden hätte die Frage beantwortet (Aachen + Mohnfeld bei Google, erstes Ergebnis führt zur Fotocommunity mit GeoInfos, zum jetzigen Zeitpunkt 2019 4 Juli), aber dann hätte man ja etwas tun müssen. Man hätte vielleicht nicht noch Tipps und Tricks bekommen und hätte wohlmöglich seinen Kopf benutzt – da ist ja immerhin Verschleiß dran.

Warum mich so etwas aufregt, wo ich doch solche (und viele andere) Anfragen ignoriere und eigentlich keine Emotion darauf verschwenden müsste? Weil es unverschämt ist. Weil es respektlos ist. Weil es Menschen in gewisser Weise degradiert; zu Werkzeugen des Egoismus solcher Menschen. Ehrliche Anfragen, oder Hilfegesuche, sind mir immer willkommen und ich werde stets versuchen sie vollumfänglich zu bedienen, aber mich als Werkzeug für die Job-/Ego-/Hobbymasturbation von Menschen ausnutzen zu lassen, die sonst kein gutes Wort an mich verschwenden wollen? Och, nö… lass mal.

Deswegen an alle Putzerfische, die meinen sie müssten sich an mich heften (Oh Gott, dabei bin ich eher der Hering im Meer, als denn ein Hai):

Zeigt mal etwas Rückgrat und fahrt eure Egotour richtig und konsequent; nutzt euren Schädel und versucht die geilen Typen zu werden, die ihr sein wollt. Alles andere ist Selbstbetrug und wenn ihr nicht lernt selber Orte zu finden, werdet ihr auch niemals einen Vorsprung vor den anderen „Kollegen“ erhalten, die ihr so bemüht seid zu übertrumpfen.

Natürlich könnt ihr auch einfach nur „Bettler und Opportunisten“ bleiben, eure Facebookliste ausnutzen und die Abgefragten nach Erhalt der Infos weiterhin wie Luft behandeln (bis es euch mal wieder an Kreativität und Ideen mangelt), aber dann will irgendwann keiner mehr etwas mit euch zu tun haben, denn Menschen haben ein gutes Gedächtnis in solchen Dingen.

Puhh, bisschen Luft gemacht…

Was bleibt am Ende? Ah ja: Dies richtet sich natürlich nicht an Menschen, die ich persönlich kenne und fast immer sehe (sprich: zu 99% eigentlich das Klinikpersonal, ich habe sonst kaum Freunde und Sozialleben #gesundheitsberufe #wasted), mit denen ich meine Schwätzchen halte und bei denen ich ab und an einen Kaffee abgrasen kann. Wer mich kennt, der weiß, dass ich immer hilfsbereit bin und auch notfalls in der Nacht angefahren komme, um ihn vor dem Horrordate seines Lebens zu retten.

Was mich aber interessieren würde: Wie seht ihr das? Bin ich zu konservativ? „Altbacken“? Wie sind eure Erfahrungen?

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