Église Saint-Georges de Limbourg

Ein Besuch der Limburger Kirche St. George
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Besucht im Jahr 2018

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as vielleicht aufkommende Bild Belgiens, welches durchaus entstehen kann bei der Betrachtung der bisherigen Fotoreportagen meinerseits, ist leider keines, welches man als „Charmant“ betiteln könnte. In der Regel präsentieren die Bilder Verfall, Siechtum, Dystopie, wie man sie üblicherweise aus dem Genre der Endzeitfiktionen her kennt.

Man hat in Seraing Gassen voller Dreck, Ratten und Menschen vor Augen, die nicht gerade mit der besten Einstellung zum Leben anderer umherziehen. Man hat auch manches Mal ein New York der 70er vor Augen, voller ausufernden Kriminalität, von der Verwaltung sich selbst überlassen und ohne Regeln, wenn man durch Lüttich streift. In Charleroi sieht man den Ostblock, einige Jahre nach der Wende, im Kampf um eine neue Identität und das Überleben in einer neuen Welt, mit neuen Gesetzen und Gegebenheiten. Man hat in Belgien so viel, doch dabei übersieht man noch mehr.

Belgien ist schön

Bezaubernde Ecken dieses Landes umfährt man oft, wenn man auf der Suche nach dem Verfall ist, ohne sie wirklich zu würdigen; die Ardennen, das hohe Venn, die Region um Dinant, Brügge und Ghent und noch viel mehr. Besonders hat es mir das Venn angetan, doch, nur 40km von Aachen entfernt, findet sich noch etwas anderes, etwas besonderes für das Auge und auch die Seele (ich schreibe im leichten Fieberwahn meiner Grippe, nicht wundern bitte).

Die Gemeinde Limbourg (nahe an der Grenze zur Deutschsprachigen Gemeinschaft gelegen, aber rein frankophon) ist eines dieser verborgenen Kleinode des so vielschichtigen Belgiens. Als Keimzelle des einstigen Herzogtums Limburg, führt diese Gemeinde heute eher ein etwas verschlafenes, entspanntes Leben. Dennoch finden sich überall in der Gemeinde (zu der auch das, für Urbexer, bekanntere, Dolhain gehört) Spuren der Vergangenheit, wie auch die „Église Saint-Georges de Limbourg“.

Ulrich Redder, ein sehr netter und begabter Fotograf, lud uns dazu ein, ihn bei der Begehung der Kirche zu begleiten, welche er mit dem Verwalter des Objektes arrangiert hatte, der im Grunde (auch wenn es die Belgier nicht gerne hören) die personifizierte Idealvorstellung eines Franzosen widergab, als ich ihn das erste Mal erblickte; Freundlich im Wesen, offenherzig, ein wenig mit einer sympathischen Schlitzohrigkeit beschenkt.

Die Entdeckungsreise

Gute zwei Stunden, sollte uns dieser Herr durch die Kirche führen, Staub für uns wegkehren und mit einer Geduld unserer Fotografentätigkeit beiwohnen, wie sie höchstens eine Mutter mit ihrem eigenen Nachwuchs aufweisen könnte. Er führte uns durch verborgene Gänge, den Turm hinauf und ließ uns frei umherziehen, wenn wir es wollten. Ein einmaliges Erlebnis, mal ohne Angst vor der Entdeckung durch Polizei und wütende Besitzer, einen solchen Ort, völlig ungestört, erkunden und erwandern zu dürfen.

Fasziniert von diesem Erlebnis, brannte es mir direkt unter den Nägeln, mehr über die Geschichte dieses so schönen Ortes in Erfahrung zu bringen, jedoch sind die deutschsprachigen Quellen eher „mau“, so dass mein eher „unvollständiges“ Französisch herhalten musste, um folgende, kurze Daten erhalten zu können:

  • Die ältesten Spuren einer Kapelle, oder Kirche, datieren auf das Jahr 1172
  • Im Jahr 1301 fand ein Umbau statt. Zugleich wird die Funktion der Kirche erweitert, da sie, an einem Hang errichtet, eine ideale Verteidigungs- und Rückzugsmöglichkeit bot.
  • Mehrere Erweiterungen im 15., 16. und 17. Jahrhundert, teilweise militärische Nutzung
  • 1863 fand eine erweiterte Restaurierung statt, welche der Kirche im groben und ganzen ihre heutige Form gab.
  • Seit 1933 steht sie unter Denkmalschutz, seit 1993 ist sie ein besonderer Bestandteil des kulturellen Erbes der Wallonie.
  • Das Kreuz stammt aus dem 16. Jahrhundert 
  • Die Beichtstühle entstammen dem 18. Jahrhundert und sind im Stile des Rokoko, aus Eiche gefertigt worden.
  • Das große Gemälde stammt von Walthère Damery (einem Maler aus Lüttich, mit bewegter Geschichte) und trägt den Titel La Redemption, es wurde auf das Jahr 1674 signiert, ist 4m hoch und von vergoldeter Eiche umrahmt.
  • Der Heilige mit der Wunde am Oberschenkel, stellt den eigentlich nie heilig gesprochenen Rochus von Montpellier dar, welcher sich wohl durch die Heilung der Pest auf seinen Pfaden ausgezeichnet haben soll.
Zum Schluss

Dies sind soweit alle Informationen, die sich auf die Schnelle haben auftreiben lassen – sollte sich irgendwo ein Fehler eingeschlichen haben, oder Sie mehr Infos haben, so würde ich mich über einen Kommentar sehr freuen. Ich hoffe, dass der Text und – vorallem – die Bilder Gefallen finden.

Nun aber genug der Schreiberei, kommen wir zu den Bildern:

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