Kartonagenfabrik Hoyer

Kartonagenfabrik Hoyer, Stolberg
RR

Besucht im Jahr 2017

W

iederaufbau. Ein ganz besonderes Wort, vorallem in der Geschichte der Bundesrepublik. Gut, der Bogen ist weit gespannt, aber dennoch: Wiederaufbau befindet sich doch durchaus im Kollektivgedächtnis der Deutschen.

Es hat eine besondere Verankerung in der Gesellschaft, auch heute noch. War es doch der Geburtsschmerz einer neuen Republik – die erste Anstrengung. Man könnte auch sagen: Der erste Atemzug der ersten, funktionierenden Republik auf deutschem Boden war voller Staub. Dementsprechend ist es wohl auch für viele unverständlich, bis heute, wieso in unserer Gesellschaft Ruinen entstehen können, wo Wohnraum immer teurer und knapper wird – wo in Aachen die Studenten in die Randbezirke der Stadt und Gesellschaft gedrängt werden, weil es in Mode gekommen ist mit den Mietpreisen zu spekulieren.

Mitten drin, in dieser seltsamen Spirale aus Mangel und schwindendem Angebot, stehen dann Ruinen – riesige Ruinen. Sei es das Camp Hitfeld im südlichen Bereich Aachens, welches vor sich herrottet und dies auch wohl noch die nächsten Jahrzehnte tun dürfte, oder eben eine Kartonagenfabrik in der mittleren, kreisangehörigen Stadt Stolberg. Auch könnte man das City-Center Eschweiler benennen, das mitten im Herzen der Stadt verfällt und eine kleinere Lokalattraktion geworden ist, weil nun Ralf Schumacher dort investieren möchte / soll / es irgendwann einmal beiläufig erwähnt hat.

Hier geht es sich jedoch um Stolberg – über 15 Jahre stand dieses Objekt, nach erfolgter Insolvenz, nun leer und hat einen nicht fast schon üblichen Investorenkrimi hinter sich, der in dieser Form anscheinend zur Gewohnheit geworden: Insolvenz – Zwangsversteigerung – ein Investor mit Ideen und wenig Geld – Leerstand über Jahre / Jahrzehnte – keine Sicherungsmaßnahmen. Die Geschichte wiederholt sich immer wieder: Massive Mauern stehen der Witterung ausgesetzt in der städtischen Landschaft, werden Opfer von Vandalismus und „warmen Sanierungsversuchen“ und berauben einem Viertel seiner Attraktivität, weil solche Orten dann durchaus gerne genutzt werden von Menschen, die das Tageslicht für ihre Geschäftstätigkeiten scheuen. Da helfen auch regelmäßige Kontrollen durch die Sicherheitskräfte nur wenig – und binden Kräfte, die politisch seit Jahrzehnten ausgezehrt wurden.

Als Beispiel sei nur die Papierfabrik Hermes genannt, die, im Randbereich des so schicken Medienhafens Düsseldorfs, eine regelmäßige Verwendung als Einsatzort für Feuerwehr, der dazugehörigen Höhenrettung, der Polizei und des Rettungsdienstes erfuhr. Wer sich als BOS Kraft nicht droht zu übergeben, wenn er mal wieder in solche verwinkelten Ruinen begeben muss weil ein 14 Jähriger seine Kräfte und die des morschen Bodens überschätzt hat, ist noch nicht allzu lange dabei.

In Stolberg nähert sich nun jedoch dieser übliche Krimi seinem Ende – schicke Wohnungen sollen nun hier entstehen, für Menschen mit genügend Geld und Mut, den umliegenden Bewohnern zu zeigen wie gut es ihnen geht. Schon lange kommen die Kommunen ihren Verpflichtungen nicht mehr nach, für alle einen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen – man schaut dann lieber nach denen,

die mehr Geld in der Tasche haben. Frankenberger Höfe in Aachen, anyone?

Wie dem auch sei: Bevor nun dort ein „gehobener Standard“ entsteht (zur Not reißt man den Zeitzeugen der Stolberger Industrie halt auch einfach ab, man hat ja lange genug gewartet), sind wir noch einmal zur Dokumentation vor Ort gewesen und haben Bilder von dem gemacht, was die Zeit übrig gelassen hat.

Um den Anfang wieder in den Text einbinden zu können: Hier findet ein Wiederaufbau statt, an dem man sich vielleicht nicht erfreuen wird.

Ein kleiner Teil des Krimis (chronologisch absteigend):

Und dann wundern wir uns über den BER?

Leave a comment