Die Windfabrik

Sonntag 5:00 Uhr, der Wecker klingelt und ich schäle mich aus dem Bett. Sturm wütet draußen, es regnet Bindfäden, stehe Kaffee schlürfend am Fenster. Perfektes Wetter für einen Ausflug. Die Vorfreude samt neuer Kamera im Gepäck geht es in die Domstadt Aachen. Treffen mit den Restlichen Madmen, mehr Kaffee, mehr Vorfreude, gute Gespräche.
8:30 Uhr, Abfahrt gen Belgien, das Land welches ich wohl am häufigsten in meinem Leben besucht habe und welches mich nach wie vor fasziniert. Angefangen bei der Panzerplattenautobahn bis hin zu all den wunderbaren Orten die man besuchen kann. Die Stadt die wir heute besuchen hat einen recht eigenen charme. In meinem Kopf zeichne ich Bilder, mische Lüttich mit Brüssel und subtrahiere die ansehnlichen ecken, nur um im Resultat von der Realität lachend mit einem Mittelfinger begrüßt zu werden.Falsch! Sechs, setzen! Es ist Hässlicher, Trauriger, nein Deprimierender, als ich es erwartet habe. Das Industriegebiet ist eine Brache, die Innenstadt gespickt mit Baustellen die verfallen, der Geruch der verbliebenen Schwerindustrie ist allgegenwärtig, Müllsäcke türmen sich und überhaupt ist alles irgendwie so wie in den 80’s Filmen die in New York spielen. Müll, Armut, Polizeisirenen, Junkies und Nutten.
Wie gerne ich doch sofort eine Fotodoku starten würde, doch unser Ziel ist diesmal nicht die Innenstadt. Wir fahren eine geraume Zeit weiter, lassen all die tristes, den muff und Mief hinter uns, brechen aus, wollen wiederkommen. Viele kurvige Landstraßen, Kreisverkehre sowie versehentliches Geisterfahrer sein später, erreichen wir unser Ziel. Unauffälligkeit ist nicht eine unserer größten Stärken, folglich fahren wir äußerst langsam am Gelände vorbei. Vermutlich ist man am Unauffälligsten, wenn man meint am auffälligsten zu sein. Der blinkende Rote Pfeil den ich mir über dem Auto vorstelle ist nur in meinem Kopf und für niemanden sichtbar.

Die Windfabrik ist seit circa zwei Jahren inaktiv, ein Haus fiel uns gleich zu beginn auf, denn es war beleuchtet und insgesamt in einem soliden zustand. Wir beschlossen es nicht zu besichtigen, spielen wir doch bei diesem Hobby ständig mit der Möglichkeit von der Polizei mitgenommen zu werden. In unserem Fall war dies bisher immer sehr glimpflich und ein gutes Gespräch mit den örtlichen Sicherheitskräften dann eher die regel als die Ausnahme. Mag auch an der Tatsache liegen, das wir nicht in fleck tarn oder ähnlichem auftreten. Wir sind Foto Enthusiasten und haben dabei diese sparte der fotografie für uns entdeckt und über die Jahre ins Herz geschlossen, mittlerweile ein Trendsport für viele, lassen wir uns hiervon aber nicht abschrecken und bleiben der Leidenschaft treu. Jeder Trend wird irgendwann auch enden.
Stille ist für mich das Schönste an diesen Orten, an jenem Tag war es anders. Windstärke sechs sorgte für eine Geräuschkulisse, bei der mir das Adrenalin länger als gewöhnlich einen erhöhten Pulsschlag verschaffte. Knarrendes Holz, klirrende Kälte, schlagende Türen, quietschender Stahl,  Dachpappe die vom wind erfasst wie tubas klangen und in der Ferne ständig Polizeisirenen. Stimmung! Zu ihrer besseren Zeit, war die Windfabrik alles andere als Kalt, hier wurde Glas hergestellt. Die Hitze und der Lärm müssen allgegenwärtig gewesen sein. Der Niedergang der Fabrik verlief wie so üblich, Kürzungen, Umlagerung der Produktionsstätte dahin wo es weniger kostet, Abfindungen an die Belegschaft zahlen, abschließen und Feierabend machen. Hier und in vielen anderen Fabriken und unternehmen das gleiche Spiel. Alles steht so rum und wartet nur darauf wieder genutzt zu werden. Belgien, du bist mir wie so oft ein Rätsel. Ein Alarm beendete abrupt unseren Ausflug. Wir werden wiederkommen, diese Stadt und ihre Orte erforschen, Abenteuer erleben und natürlich Fotografieren. Uh yeah! Die Vorfreude ist wirklich eine der schönsten Freuden.

 

Geht raus und habt Spaß

 

Madman Manolo

Glasklare Sache

Undicht

Lichtblicke

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