Cemetery of the Insane

Cemetery of the insane
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Besucht im Jahr 2016

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eit. Zeit ist kostbar, sehr kostbar. Diesen Faktor kalkuliert man die ersten 2-3 Jahrzehnte seines Lebens nie so wirklich ein, während man durch die Erziehung, die Schule, die Ausbildung und noch andere Dinge gepresst wird, um am Ende als „Erwachsener“ in die Gesellschaft entlassen zu werden.

Man bedenkt selten dass man sterblich ist, während man sich am Wochenende im Partyrausch ganz praktische Hirnzellen zerstört. Man denkt nicht daran, dass das irgendwann einmal alles ein Ende haben wird.  Gevatter Tod ist ein Tabu, welches in der heutigen Gesellschaft nicht erwähnt werden darf – im Gegensatz zum Thema Sex, welches allgegenwärtig auf uns lauert und uns selbst bei der Lebensmittelwerbung anspringt.

Früher erzählte man Kindern, sie kämen aus Kohlköpfen und bahrte die Toten 1-3 Tage im Wohnzimmer auf.

Früher ging man auch regelmäßig auf den Friedhof, stattete den Gräbern und ihren Inhalten einen Besuch ab und pflegte und hegte, was auf dem Gottesacker gewollt heranwuchs. Heutzutage haben viele ein Problem damit, überhaupt noch das Grab ihrer Verwandten auf dem zentralen Stadtfriedhof zu finden.

Es hat eine Wandlung stattgefunden, eine Umkehr der Dinge.

Das Ableben war einst einmal etwas alltägliches, etwas bremsendes in der Gesellschaft. Es war die Reißleine, die immer wieder klar machte: Deine Zeit ist kostbar, begrenzt. 

Man machte sich Gedanken darüber, was danach sein könnte, was für die Hinterbliebenen noch zu regeln wäre und was man hinterlassen würde. Dinge, um die sich heute kaum noch gekümmert wird. Man lebt mittlerweile ewig – und wenn auch nur im Kopf. Als Jugendlicher dachte auch ich nicht an solche Dinge. Als ich 2005, durch meinen Zivildienst, in den Rettungsdienst eintrat, wurde mir eine andere Sichtweise mit dem Vorschlaghammer eingehämmert: Wir leben nicht ewig, wir leben auch nicht immer immer so, dass wir überhaupt noch leben wollen.

Krankheit und Leid können ein Leben zur Qual machen. Können den Tod wünschenswert werden lassen. Der Kopf beginnt zu qualmen, wenn einem diese Tatsachen vor Augen geführt werden und man über seine eigene Existenz grübelt. Man wird andächtig.

Wir sollten öfter wieder auf Friedhöfe gehen und wieder dankbar dafür werden, dass wir Leben dürfen – gesund.

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